Was ist die Romberg-Haltung?
Die Romberg-Haltung ist ein einfaches Diagnoseinstrument, mit dem ein Arzt den Gleichgewichtssinn eines Patienten testen und neurologische Störungen feststellen kann.
Die Testperson wird gebeten, sich aufrecht hinzustellen, die Beine zusammenzulegen, die Arme vor sich auszustrecken oder vor der Brust zu verschränken und die Augen zu schließen. Schafft sie es, 60 Sekunden lang so zu stehen, ohne zu fallen oder sich zur Seite zu neigen, gilt der Test als negativ, andernfalls als positiv.
Für den Gleichgewichtssinn sind mehrere Systeme des Körpers verantwortlich: das visuelle (Sehen), das vestibuläre und das propriozeptive. Bei letzterem handelt es sich um Signale von Nervenenden in Haut, Muskeln und Gelenken, die über das Rückenmark an das Gehirn weitergeleitet werden. Dank dieses „Muskelsinns“ wissen wir, wie unser Körper im Raum positioniert ist, wie er sich bewegt und was er fühlt.
Wenn die Funktion des propriozeptiven Systems beeinträchtigt ist, z. B. aufgrund einer Rückenmarksverletzung, können das Sehvermögen und das vestibuläre System den Mangel ausgleichen. Da der Romberg-Test mit geschlossenen Augen durchgeführt wird, kann er dazu verwendet werden, Probleme mit dem Muskelsinn zu erkennen.
Dieser Test wurde in den 1940er Jahren von dem deutschen Professor Moritz Romberg erfunden und bei Patienten mit tertiärer Syphilis oder spinaler Trockenheit eingesetzt. Bei dieser Form der Krankheit ist der hintere Teil des Rückenmarks, der für die Propriozeption zuständig ist, geschädigt, und es kommt zu Problemen beim Gehen und anderen Körperbewegungen.
Heute wird die Syphilis erfolgreich behandelt, bevor sie fortgeschritten ist, und die Romberg-Pose wird als Methode zur Diagnose anderer neurologischer Störungen eingesetzt.
Auf welche Probleme kann ein positiver Romberg-Test hinweisen?
Der Romberg-Test kann bei einer Person durchgeführt werden, die über Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und Stürze klagt. Ein positives Ergebnis kann auf die folgenden Gesundheitsprobleme hinweisen:
Die Parkinson-Krankheit ist eine Gehirnerkrankung, bei der die motorischen Funktionen beeinträchtigt sind. Die Patienten leiden unter unwillkürlichen Muskelbewegungen und -kontraktionen, Zittern, schlurfendem Gang und instabiler Körperhaltung.
Die Friedreich-Ataxie ist eine Erbkrankheit, die durch eine Genmutation verursacht wird und sich sowohl in der Kindheit als auch im Alter von 30-40 Jahren manifestieren kann. Die Patienten leiden unter Bewegungs- und Gangstörungen, zunehmender Muskelschwäche, Hör-, Seh- und Sprachstörungen.
Vitamin-B12-Mangel – gestörte Myelinisierung der Rückenmarksnerven, gestörte Reizleitung und gestörte Propriozeption.
Normotensiver Hydrocephalus – Probleme mit dem Liquorumsatz, mit Gehbehinderung, Demenz und Harninkontinenz.
Wernicke-Syndrom – unzureichende Thiaminaufnahme und -absorption, die häufig vor dem Hintergrund eines schweren Alkoholismus auftritt. Zu den Symptomen können Gangstörungen, Desorientierung, Stupor und Verwirrtheit gehören.
Broun-Secker-Syndrom – eine Funktionsstörung des Rückenmarks, z. B. aufgrund einer Verletzung oder eines Tumors.
Morbus Menière – übermäßige Flüssigkeitsansammlung im Innenohr, die zu Schwindel, Übelkeit und Tinnitus führt.
So sieht die Romberg-Pose aus
Der Proband zieht seine Schuhe aus und stellt sich gerade hin, legt die Füße zusammen und streckt die Arme nach vorne oder verschränkt sie auf der Brust.
In dieser Haltung sollte er etwa 30 Sekunden lang mit offenen Augen verharren. Auf Anweisung des Arztes sollte er sie dann schließen und weitere 30-60 Sekunden lang halten. In dieser Zeit beurteilt der Neurologe, ob sich die Person nach vorne, nach hinten oder zur Seite lehnt, und wenn ja, wie stark.